Suchst du noch, oder rollst du schon?

Manche Personaler oder Unternehmen scheinen der Meinung zu sein, englische Begriffe peppen ihre Stellenausschreibungen auf. Ich mag die deutsche Sprache, ich mag auch die englische Sprache- peinlich wird es aber, wenn Denglisch verwendet wird oder Missverständnisse im Bezug zur Bedeutung von Wörtern bestehen. Und das ist gar nicht so selten. Liebe Verantwortliche: you are on the woodway wenn ihr glaubt, dass die Attraktivität einer Stellenanzeige von verwendeten (Möchtegern-) Anglizismen abhängt.

Neben den mir ständig begegnenden denglischen Begriffen wie „Recruitingprozessen“, „Recruitingnetzwerk“, „Technischer Trainer After Sales“ etc. kommen nun die Dinge zum Wundern. Holla, the Woodfairy!

  • Gefunden in der Anzeige von Amazon, Senior Talent Sourcer (m/w): „Es begeistert Sie, High Potentials durch eine Vielzahl von Methoden und Kanälen zu identifizieren: Boolean Search, User Groups, berufliche und soziale Netzwerke, Mitarbeiterempfehlungen, etc.“
    Wer bitte weiß, was eine „Boolean Search“ im Zusammenhang mit High Potentials (auch so ein toller Begriff) ist? Also ich weiß es nicht. Ist ein neuer Trend an mir vorbei gezogen? Ohne jetzt näher zu recherchieren kenne ich die Boole´sche Algebra mit Verknüpfungsfunktionen. Okay, vielleicht geht’s hier um die logische Suche nach High Potentials. Hm. Aber was wäre in diesem Fall logisch? Ich glaub so eine Suche gibt’s auch in der IT (AND/OR)… – Eigentlich egal, denn die Anzeige spricht mich nicht an. Was für eine Begriffsschlacht!
  • Gefunden in der Anzeige von Flexbase, (Senior-) Onsite Recruiter: „Sie stellen eine konstante Talent–Pipeline zur Besetzung von wichtigen Positionen sicher“
    Aye, aye! Pipeline angeschlossen, Talent fließt!
  • Gefunden in der Anzeige von Mann + Hummel, HR Business Partner: „Sie fungieren als one-face-Schnittstelle zwischen den Führungskräften und den verschiedenen HR Bereichen“
    Meine Mama würde jetzt sagen, dass es ist immer gut ist, mit Mitarbeitern zu arbeiten, die keine zwei Gesichter haben. Da weiß man, woran man ist.
  • Gefunden in der Anzeige von  Baumann & Cie. GmbH, Smarte Personalmanagerin mit Drive (m/w): „Unternehmen sucht smarte Personalmanagerin mit Drive“ 
    Bedeutet was? Eine moderne Managerin mit flottem Fahrstil? Ein fesches Mädl mit Schwung? (She drives me crazy…. lala) Eine intelligente Bombe mit Rückenwind? Okay, okay, ich höre jetzt auf… Waren ja auch Männer gemeint…
  • Gefunden in der Anzeige eines Personalberaters (aus diplomatischen Gründen kann ich den Namen hier nicht preisgeben..-you know?) „Payroller gesucht!“
    Ahja… mal so nebenbei: hier wurde jemand für den Bereich Lohnabrechnung und Gehaltsthemen gesucht. Jetzt kommt der Erklär-Bär: Das Wort Payroller bezeichnet lediglich einen Gehaltsempfänger, also einen Arbeitnehmer. Aber das Wort Payroller gefällt mir. Frei nach dem Motto: Suchst du noch, oder rollst du schon?

So, there we have the salad. Dabei ist es doch ganz einfach! Wir Bewerber wollen einfach eine klare, verständliche Stellenausschreibung. Mit einem Text, der uns anspricht, einen Job, mit dem wir uns identifizieren können. Keine Lachnummern. Liebe Verantwortliche: Spart euch doch die denglischen Floskeln und überlegt, welche Faktoren die Stelle und das Unternehmen wirklich interessant machen! And then everything is in butter.

15 Kommentare


  1. Hallo Sandra,
    ich bin heute auf Deinen Blog gestoßen. Gefällt mir gut, ich mache gerade ähnliche Erfahrungen.
    Vor ca. 6-7 habe ich schon einmal suchen müssen und es hat zwar lange gedauert (Wirtschaftskrise 2008 ff), aber es ging wenigstens voran. Keine unfähigen Personaler, sondern eher normale Gespräche. Allerding waren die Führungskräfte aus den Fachabteilungen unangenehmer (insbesondere die weiblichen Vorgesetzten).

    Woran liegt es, dass die Verfahren so lange dauern, sich die Personalabteilungen gar nicht melden. Wenn es den vielbeschworenen Fachkräftemangel gibt, müssten die Personaler doch dasitzen und auf Bewerbungen warten und sofort aktiv werden, oder?

    Nachfragen, wenn man nichts gehört hat, bringt nichts. Die Antworten sind immer die gleichen. Das Verfahren dauert noch an, es ist noch nichts entschieden (wenn man Pech hat kommt 1-2 Tage später die Absage, feige sind Personaler nämlich auch).

    Ich werde den Blog verfolgen und freue mich schon auf neue Berichte.

    Beste Grüße

    Susanne

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    1. Hallo Susanne,
      schoen dass dir mein Blog gefaellt. Ja es wird gerade in Personalkreisen viel ueber den (aus meiner Sicht nicht vorhandenen) Fachkraeftemangel diskutiert, aber die Praxis zeigt, dass der Transfer der Theorie in die Praxis in vielen Personalabteilungen noch fehlt. Ich druecke dir auf jeden Fall die Daumen bei der Suche! Liebe Gruesse, Sandra

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  2. Hahaha, starker Artikel. Kann dem nur zustimmen. Dass es in der Betriebswirtschaft, wie auch in anderen Fachgebieten, eine gemeinsame Sprache durch englische Fachbegriffe gibt unter denen sich jeder vorstellen kann, was gemeint ist, finde ich ok.

    Aber ja, ich finde es ebenfalls schrecklich, wenn der Umgang mit diesen Fachwörter zu umfangreich genutzt wird oder gar denglische Begriffe verwandt werden. Das wirft keinen guten Blick auf den Ersteller.

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    1. Hi Christian, danke fürs Lob! 🙂 Das sehe ich genau wie du.. Liebe Grüße, Sandra

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    1. Hallo Katharina, super, deinen Blog schaue ich mir auf jeden Fall an und gebe gerne Feedback!
      LG Sandra

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  3. Hallo Sandra,

    zunächst einmal muss ich dir ein großes Lob für deinen Blog aussprechen. Die Dinge, die dir während deiner Bewerbungszeit begegnen, lesen sich auf der einen Seite unheimlich komisch sind aber auf der anderen Seite erschreckend. Aber wem erzähle ich das 🙂

    Was den Boolean Search beim Suchen von High Potentials angeht, kann ich vielleicht aushelfen. Ich hatte in den letzten Wochen das Glück mich mit dem Linkedin Recruiter und dem XING Talentmanager zu beschäftigen. Die Art wie du dort nach Bewerbern (oder auf neudeutsch „Talents“ oder eben „High Potentials“ ;-)) suchst entspricht dem boolschen System. Also wie du bereits sagtest mit AND, OR, NOT usw. Ich nehme also an, dass Amazon von der Recherche via XING und Linkedin spricht.

    Ach und zum Thema Bullshit Bingo für Titel in den Stellenanzeigen finde ich auch den Titel mancher Personaler klasse. Am besten gefallen hat mir der „Senior Candidate Relationship Manager“. Aber ich bin sicher das kann man noch toppen 🙂

    Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg bei deiner Suche und hoffe, dass es ganz bald klappt 🙂

    Lieben Gruß aus Köln

    Bastian

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    1. Hallo Bastian,
      vielen Dank für das Lob und die Erklärung zu Boolean Search 🙂 Ich hab in die selbe Richtung gedacht.. Frage mich allerdings, wie man durch so eine Suche „High Potentials“ identifiziert.. Vielleicht sollte ich Amazon mal anrufen :-))
      Liebe Grüße, Sandra

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  4. Hey Sandra,

    das mit dem Pipeline-Management ist eigentlich ein Vertriebsbegriff, also durchaus geläufig. Ob ich das nun gut oder affig finde? Eher affig, aber wenigstens das ist noch einigermaßen nachvollziehbar.

    Ein Payroller ist übrigens ein Deoroller, der Geldscheine in deinen Achselhöhlen platziert. Diese nehmen den Schweiss auf und es kommt nicht mehr zu unangenehmen Rändern am T-Shirt und wenn dir mal viel zu heiß ist, kannst du von deinen Payroller Scheinen auch ein leckeres Eis kaufen. Eine ganz tolle Erfindung also ;)…….

    Ja, es ist schon ein wenig peinlich, aber diese Anglezismisierung hält ja überall seit Jahren mehr und mehr Einzug.

    LG
    Stefan

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    1. Hi Stefan,
      ah sooo ist das also mit dem Payroller 😀 wieder was gelernt! Klar, den Begriff Pipeline-Management kenne ich auch, nur fand ich den im Zusammenhang mit dem „Liefern“ von Talenten echt lustig. Die Vorstellung allein… hihi..
      Weißt du denn, was eine Boolean Search beim Suchen von High Potentials ist? Das würde mich echt interessieren….
      LG Sandra

      Antworten

      1. Nö… Boolean kenne ich nur aus der Softwareentwicklung und da wiederum gibt es vor welcher Zahlenwert/Zahlenbereich für eine Programmierung genutzt werden kann… Na ja, so oder so ähnlich. Ein Programmierer würde mich jetzt warscheinlich prügeln, aber ich hab das mit ca. 18/19 Jahren in ner schulischen Ausbildung mal gemacht und seitdem nie wieder…

        Ich finde es auch immer wieder erheiternd, wie englische Jobtitel kreiirt werden, die im anglophonen Raum kein Mensch kennt oder sie vielleicht bekannt sind aber völlig falsch eingesetzt werden. Da greife ich mir dann erst recht an den Kopf, weil man sowas ganz simpel online recherchieren kann. Ist ja alles schön und gut und ich finde auch bei mir klingt HR Manager einfach besser als ein prüder deutscher Personalreferent. Zumal letzteres auch nicht den Kern meines Jobs trifft, da ich eben keinen Teilbereich sondern den Gesamten mache. Na ja wie dem auch sei, es gab Zeiten da war fränzösisch en Vogue und nun ist eben Englisch state of the art… 😉 Im Prinzip zeigt das doch vor allem, dass hierzulande gerne „großen Vorbildern“ hinterhergerannt wird.

        Am allerschlimmsten finde ich persönlich ja so Begriffe wie Meeting, Besprechung ist fast genauso kurz und knacking oder Jour Fixe… Jour Fixe ist das allerschlimmste überhaupt, aber hierfür fällt mir so aus dem Stehgreif auf kein Equivalent ein.

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        1. Ja ich glaube auch, dass es Anglizismen gibt, für die es kein Eqivalent gibt und die somit Bestandteil unserer Sprache sind. Das ist dann auch okay. Aber bei so Dingen wie one-face Schnittstelle muss ich dann echt lachen. Da soll etwas super interessant und hochtrabend klingen, obwohl es das gar nicht ist. Und mit Internationalität hat das auch nichts zu tun.
          Kleine Anekdote am Rande: ein ehemaliger Azubi von mir hat zu Beginn seiner Ausbildung gesagt: „so, wir haben jetzt Jo Fox“ Er meinte Jour Fixe. seit dem sage ich immer Jo Fox. 😀 Jour Fixe finde ich auch schlimm, aber auch „Business Prozess Meeting“…

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          1. Liebe Sandra, also der „Jo Fox“ ist einfach genial :-)),
            so kann ja dann aus einem verhunzten Englisch/Fanzösisch/Deutsch doch noch was Neues entstehen;

            noch eine kleine Sprachverwirrung – hat zwar nix mit Personalarbeit zu tun, ist aber trotzdem schön: vor gar nicht allzu langer Zeit bewarb ein Lederwarenfirma ihren „body bag“ zum bequemen über die Schulterwerfen……da dürfte die Freude sehr endlich sein….

            apropos: Ihr Blog gefällt mir außerordentlich gut,
            ganz herzlich Katharina Daniels


          2. Hallo Katharina, vielen lieben Dank! 🙂 Ich freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt..

            Also „body bag zum über die Schulter schmeißen“ finde ich auch echt lustig.. Das gibt auf jeden Fall Rückenschmerzen.. :-)))
            Liebe Grüße,
            Sandra

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