Die Suche nach dem Glück

Heute las ich durch Zufall ein Referat über die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf den arbeitssuchenden Menschen. Da gab es physische und psychische, sowie psychopathologische Auswirkungen und es wurde berichtet, dass viele Arbeitssuchenden ein permanentes Unwohlsein, sowie das Gefühl von Nutzlosigkeit verspüren. Bis hin zu Selbstmordversuchen wurde alles erwähnt. Je nach Dauer der Arbeitslosigkeit steigen die Auswirkungen auf die betroffene Person. Hm… Ich fühle mich eigentlich ganz gut… (Plötzlich packt mich die Panik- darf ich mich eigentlich gut fühlen?)

Okay, dass man schon mal das ein oder andere Tief hat, wenn es mit einem Job nicht geklappt hat, kann ich nachvollziehen. Das geht mir auch so. Da hatte ich doch vor einiger Zeit eine mündliche Jobzusage, bereits das Team kennengelernt, Vertragsbestandteile zugeschickt bekommen, zwei Interviews geführt und meinen zukünftigen Arbeitsplatz gesehen. Danach verschwand der Personalleiter in der Versenkung- keine Reaktion auf Mails oder Anrufe. Dann, nach zwei Wochen: Absage per Standard-Email. Sowas nagt, das gebe ich zu. Zumal ich gar nicht weiß, was eigentlich passiert ist. Und der Personalleiter? Mann oder Maus? Ich kenne die Antwort…

Klar, das muss man erstmal verarbeiten. Und wenn man selbst einigermaßen wieder motiviert ist, sorgt das Umfeld dann gerne dafür, dass man sich wieder schlechter fühlt. In meinem Umfeld gibt es Menschen (zum Glück nur wenige), die der Meinung sind, ich solle doch irgendwas tun, „nur zur Überbrückung“. Dabei haben sie die absurdesten Vorschläge: Post austragen, in einer Bäckerei arbeiten, Schichtarbeit in einer Produktion… es scheint, als sei es eine „Schande“, einen passenden Job zu suchen und sich dabei auch noch gut zu fühlen. Und das tue ich! (Ja, ja ja…chakka- ich fühle mich gut!!) Klar, ich würde gerne wieder arbeiten, aber auch so eine „freie Zeit“ hat etwas Gutes. So hat man endlich wieder Zeit für Freunde, Familie, Hobbies -eben auch mal für sich selbst- und kann sich Gedanken machen, wo es eigentlich hingehen soll. Ist das verwerflich? Ich habe etliche Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, ich kann nichts für die Insolvenz meines ehemaligen Arbeitgebers- also was habe ich mir vorzuwerfen? Ich sage es euch: NICHTS. Und ich werde sicherlich keinen Job machen, der mir keinen Spaß macht! ODER?

ODER ist es nicht vielmehr auch so, dass man  -je länger man einen Job sucht-  der psychische Druck steigt und man immer mehr Abstriche bei der Wahl der Tätigkeiten macht? Ich würde sagen, dass ich nach einigen Jahren Berufserfahrung weiß, wie ich mir meinen Job vorstelle. Aber wie realistisch ist es denn, danach zu selektieren? Wir sind ja schließlich nicht bei „wünsch dir was“. Zu einem Job gehören doch auch immer Dinge, die man nicht so gerne macht, die aber Teil des Jobs sind. Und wenn man in einer strukturschwachen Gegend wohnt, nicht so flexibel ist, wenn es um das Umziehen geht, dann noch danach selektiert, was man wirklich liebt (das wären dann bei mir Themen wie Employer Branding, Personalentwicklung, HR Kommunikation, Recruiting) und eine angemessene Gehaltsvorstellung hat, wie viele Jobangebote kommen wohl dabei heraus? 0! Also: muss man nicht auch als Bewerber flexibel bleiben? Bzw. was ist zu tun? Abwarten, oder doch ein paar Bewerbungen schreiben, auch wenn der Job nicht der Traumjob Job ist?

Dazu ein Beispiel: vor zwei Wochen hatte ich ein Bewerbungsgespräch in einem großen Unternehmen in Hannover. Dort wurde ein HR Business Partner gesucht. Die Stellenausschreibung war nicht wirklich aussagekräftig, es wurde (wie immer) ein Generalist gesucht. Das ist auch so ein Thema, dem ich gerne mal einen Blogartikel widmen würde. Generalist? So ein Quatsch! Die Firmen suchen Leute die breit aufgestellt sind und sich in vielen Themen gut auskennen und diese dann auch eigenverantwortlich übernehmen, die also Spezialisten in allen Bereichen sind. Die eierlegenden Wollmilchsäue. Aber: anderes Thema. Zurück zum Bewerbungsgespräch- es stellte sich heraus, dass es zwar um alle Themen der Personalarbeit ging, aber dass im Team Schwerpunkte verteilt wurden. So gab es den Schwerpunkt Recruiting, den Schwerpunkt Employer Branding / Personalentwicklung / HR Kommunikation und den Schwerpunkt Controlling / Betriebs- und Tarifverhandlungen. Als man mich fragte, wofür mein Herz schlägt und was ich mir davon vorstellen könne, habe ich nicht lange überlegt. Blöd nur, dass nur die Stelle mit dem zuletzt erwähnten Schwerpunkt zu besetzen war. An der Stelle war ich dann raus.

Aber, hätte ich vorher gewusst, welche Stelle zu besetzen gewesen wäre, hätte ich mich dann anders verkauft? Hätte ich den Job gemacht? Gesagt: wow, Controlling- mein Lieblingsthema! Oder hätte ich dann auf (auch meine) Coaching-Experten gehört, die sagen: „Tun Sie das, was Sie lieben!“ und mich gar nicht erst beworben?

Ich sage es euch: ich hätte den Job gemacht. Und ich hätte versucht, ihn zu gestalten und ihn mir „schön zu machen“. Genauso, wie ich das Großraumbüro mit mindestens 30 Mitarbeitern in Kauf genommen hätte. Klar hat man Kriterien, die für oder gegen einen Job sprechen, aber wie viel weiß man denn nach zwei oder drei Bewerbungsgesprächen darüber, wie es wirklich ist, in dem Unternehmen zu arbeiten? Nicht viel. Und ob der Job Spaß macht, erfährt man erst im Tagesgeschäft, bzw. bei der Arbeit. Natürlich kann es immer sein, dass es dann doch nicht passt, aber das kann auch beim potenziellen Traumjob passieren. Also, warum nicht auch mal einen Blick in „unbeliebtere“ Themen riskieren?

Und da sind wir genau beim Punkt. Einige Berater (und ich meine hier die, die damit auch ihr Geld verdienen) dieser Welt predigen Selbstverwirklichung und „tun Sie das was sie lieben“. Andere Menschen aus dem Umfeld sagen „machen Sie irgendeinen Job, Hauptsache der Stempel „arbeitssuchend“ verschwindet. Die Wahrheit liegt, wie so oft, zwischen beiden Optionen. Ich glaube, dass Bewerber eine realistische Einschätzung der eigenen Situation bedürfen (Wohnort, Alter, Berufserfahrung, Gehalt, Familienstand etc.), um einen passenden Job zu finden. Und das ist in den meisten Fällen eben nicht der Traumjob. Es hilft ein Blick auf die Tatsachen!

Gibt es überhaupt einen Traumjob? Hat man seinen Erfolg nicht auch selbst in der Hand? Ich für meinen Teil hatte bisher in jedem Job positive und negative Punkte, die meinen Arbeitsalltag bestimmt haben. Das ist, glaube ich, normal. Gerade wenn man Aufbauarbeit leistet, hat man es auch oft mit Widerständen zu tun. Ich hab oft bis zu 60 Std./Woche gearbeitet. Ist das ein Traumjob? Nein, aber ich habe mich gut gefühlt, weil ich etwas bewegen konnte und die Ergebnisse zählten. Und ich bin gerne Personaler, auch wenn ich meinen Job manchmal hasse (z.B. bei Massenentlassungen).

Also, nach was suchen wir eigentlich? Nichts ist perfekt…

Ich glaube dass wir maßgeblich unser Glück selbst gestalten und da aktiver werden müssen. Auch mal unbequeme Wege gehen, sich durchbeißen, einen Job lieben lernen. Und neben dem Job unser Privatleben pflegen, da kann man nämlich super auftanken.

Das soll keine Belehrung sein. Aber ich habe so viele Mails von Menschen bekommen, die einen Job suchen, sich über Unternehmen aufregen, aber selbst auch wenig Flexibilität und Bereitschaft zur Veränderung mitbringen. Ich kenne einige Beispiele, die dann zu bekannten „professionellen“ Karriereberatern laufen, mit einer Gehirnwäsche aus der Beratungsstunde kommen und nach „kreativer Selbstverwirklichung“ suchen. Fatal. Dazu die Frage: Wo finde ich nun den passenden Job? Antwort: Gar nicht.

Andere wiederum verkaufen sich unter Wert und sind im neuen Job total unglücklich. Aber: der Stempel „arbeitslos“ ist weg und das Umfeld ist zufrieden. Und wie geht es der Person selbst?

Arbeitslos sein ist eben nicht ganz so einfach und ein ständiger Zwiespalt. Immer auf der Suche nach dem Glück, der richtigen Entscheidung, dem richtigen Job. So empfinde ich es. Und in dieser Situation fällt mir erst auf, wie oft man nach seiner beruflichen Tätigkeit gefragt wird. Gepaart mit mitleidigen Blicken, wenn man sagt, dass man gerade auf Jobsuche ist. Als hätte man eine Krankheit.

Aber warum machen wir Arbeitslosen uns eigentlich solche Gedanken? Ganz klar: weil Umfeld, professionelle Berater und Gesellschaft vorgeben, was zu tun ist. Alle haben Erwartungen. Alle kennen den „richtigen Weg“. Jeder weiß, was gut ist. Ihre Stimmen verankern sich im Unterbewusstsein, machen unruhig und man vergisst, dass die Jobsuche mitunter etwas schwieriger sein kann und dass es okay ist, zu suchen. ES IST OKAY! Hierbei hilft weder die Predigt „tun Sie das was Sie lieben, oder Sie werden unglücklich“, noch „machen Sie irgendetwas und vergessen Sie ihre Selbstverwirklichung“. Ich empfinde beides als unheimlich dämlich.

Für alle, die übrigens wie ich noch einen Job suchen, habe ich das folgende (runkelrübenverdächtige)  Karriere-Video entdeckt… Ist das vielleicht der Traumjob? Ein paar Tage Arbeit im Jahr, leuchtende Kinderaugen wenn man erscheint, Geschenke verteilen, Schlittenfahren, böse Menschen (ungestraft) mit der Rute verprügeln, Glühwein trinken…

(Quelle: youtube.de, veröffentlicht am am 22.09.2014, weser-kurier.de)

In diesem Sinne: ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest! An alle Jobsuchenden: genießt die Zeit im Kreise der Lieben und schiebt die Jobsorgen zumindest über die Feiertage beiseite! Oder bewerbt euch bei der Agentur für Arbeit in Bremen. Ich für meinen Teil freue mich, dass das schei… äh schöne Jahr endlich zu Ende ist.

2 Kommentare


  1. Hallo Sandra, ein interessanter Beitrag.
    Ich werde ab 1.1. ebenfalls arbeitslos sein. Während ich mir denke es wird schon irgendwie weitergehen, flippen irgendwie alle in meinem Umfeld deswegen aus. Wenn ich sage das mein Vertrag nicht verlängert wurde, gucken die mich so entsetzt an, als hätte ich eben gesagt ich hätte nur noch vier Wochen zu leben. Ja und dann kommen die von dir erwähnten Vorschläge doch dies und jenes zu tun, Hauptsache nicht arbeitslos sein, als ob es eine Schande wäre keinen Job zu haben.
    Ich bin mir auch nicht sicher ob das sinnvoll ist, manche sagen Personaler finden es gut wenn man zur Überbrückung einen Job weit unter seiner Qualifikation annimmt, weil das den Arbeitswillen zeigt, andere meinen das man sich dadurch in den Augen des Personalers abwertet, da man sich damit unter Wert verkaufe. Da kannst du als Personalerin vielleicht mehr dazu sagen?
    Die Sache mit dem Traumjob, ja das ist schwierig. Ich muss sagen das mir bei meinen wenigen Jobs keiner vom ersten Tag an Spaß gemacht hat, einfach weil da soviel neues auf einen einstürzt, man kennt die Kollegen und die internen Abläufe etc. nicht, es mag Menschen geben denen das wenig ausmacht, aber mich schüchtert das erstmal ganz schön ein. Und es ist ja auch logisch das es nicht für jeden den Traumjob geben kann, denn auch unangenehme Arbeiten muss ja jemand machen.

    Aber vergessen wir das erstmal und genießen die Feiertage. Also: Frohe Weihnachten 🙂

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    1. Hallo Julia,

      ich hoffe, du hattest entspannte Weihnachtstage und konntest die Feiertage genießen 🙂 Bei der Jobsuche würde ich mich an deiner Stelle auf gar keinen Fall stressen lassen. Du bist doch zukünftig erst ab Januar auf der Suche und kannst erst einmal in Ruhe schauen, welche Optionen es gibt. Ich würde mich immer nur dann auch für einen Job entscheiden, wenn ich mich mit den Inhalten auch identifizieren kann. Klar sind immer Dinge dabei, die man nicht so gerne macht, aber im Großen und Ganzen sollte der Job zu einem selbst und zu seiner Erfahrung passen. Wenn man sich für einen Job entscheidet, der unter der unter der eigenen Qualifikation liegt, ist es glaube ich vorprogrammiert, dass man unglücklich wird. Und ständig den Job zu wechseln, sieht im Lebenslauf nicht gut aus. Als Personalerin würde ich sagen, dass es auf jeden Fall okay ist, eine „Lücke“ im Lebenslauf zu haben, weil man den passenden Job sucht. Heute ist es eben nicht mehr so, dass man von der Ausbildung bis zur Rente nur einen einzigen Arbeitsplatz hat.

      Also: entspannt bleiben und erst einmal alle Optionen in Betracht ziehen.

      Liebe Grüße,
      Sandra

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